Das VBVG 2026 gilt seit dem 1. Januar 2026. Die Reform vereinfacht die Vergütungsstruktur deutlich — und erhöht die Pauschalen im Schnitt um 12,7 %. Was das konkret für deinen Klientenstamm bedeutet, hängt von drei Faktoren ab: deiner Qualifikation, der Wohnform deiner Klienten und der Betreuungsdauer.
1. Weniger Kategorien, klarere Abrechnung
Durchschnittliche Erhöhung der Stundenpauschalen gegenüber VBVG 2023
Die alte Struktur mit drei Stufen (A, B, C), drei Wohnformen und fünf Zeitstufen ist Geschichte. Das neue VBVG kennt nur noch:
Zwei Vergütungsstufen
- Stufe 1 — Grundstufe für Betreuer ohne relevanten Hochschulabschluss
- Stufe 2 — Qualifikationsstufe für Betreuer mit einem für die Betreuung relevanten Hochschulabschluss
Zwei Wohnform-Kategorien
- Stationäre Einrichtung — Pflegeheim, stationäres betreutes Wohnen, alle Formen mit 24h-Betreuung
- Andere Wohnform — eigene Wohnung, Wohnen bei Angehörigen, ambulant betreute WG
Zwei Zeitkategorien
- Erste 12 Monate der Betreuung
- Ab dem 13. Monat
Das ergibt maximal 8 Kombinationen statt der früheren 45 — ein erheblicher Gewinn für die Planungssicherheit.
Deine konkreten Vergütungsbeträge nach VBVG 2026 — für jeden Klienten einzeln
Jetzt starten2. Was die Übergangsregelung bedeutet
§ 19 VBVG — Übergangsregelung für Bestandsfälle
Betreuungen, die vor dem 1.1.2026 begonnen haben, werden bis zum Ende der laufenden Abrechnungsperiode nach dem alten VBVG vergütet. Du musst keinen neuen Gerichtsbeschluss beantragen — die Umstellung auf die neuen Sätze erfolgt kraft Gesetzes zur nächsten Abrechnung.
Praktisch bedeutet das: Prüfe für jeden Bestandsfall, wann die nächste Abrechnung fällig ist. Ab diesem Zeitpunkt gelten automatisch die neuen Sätze. Fehlende Neuzuordnungen (Wohnform, Zeitkategorie) können zu Rückforderungen führen — nimm dir die Zeit für eine sorgfältige Fallprüfung.
3. Qualifikation als zentrales Kriterium
Die Reform macht den Hochschulabschluss zum einzigen formalen Hebel zwischen Stufe 1 und Stufe 2. Das ist eine klare Abkehr vom früheren System, das auch über langjährige Berufserfahrung in höhere Vergütungsklassen eingestuft hat.
Was du jetzt prüfen solltest:
- Ist dein Abschluss für die Betreuertätigkeit relevant? (Sozialarbeit, Rechtswissenschaften, Psychologie, Pädagogik und verwandte Fächer sind in der Regel anerkannt)
- Hast du den Nachweis parat — Zeugnis oder Urkunde?
- Falls du noch keinen relevanten Abschluss hast: Welche Auswirkung hat die Einstufung in Stufe 1 auf deine monatliche Vergütung? Der Rechner gibt dir konkrete Zahlen.
Vergleich Stufe 1 vs. Stufe 2: Was der Unterschied für deinen Stamm bedeutet
Jetzt starten4. Bestandsfälle Schritt für Schritt umstellen
Um die korrekte Einstufung nach VBVG 2026 zu gewährleisten, gehe deine Fälle so durch:
- Qualifikation prüfen — Hochschulabschluss ja/nein → Stufe 1 oder 2
- Wohnform neu erfassen — stationär oder andere Wohnform? Ambulant betreute WGs sind häufig "andere Wohnform", auch wenn sie in einem Heim-ähnlichen Gebäude liegen — im Zweifelsfall beim Gericht nachfragen
- Betreuungsdauer prüfen — läuft der Fall schon über 12 Monate? Dann direkt in die zweite Zeitkategorie
- Nächsten Abrechnungstermin notieren — ab dann gelten die neuen Sätze automatisch
Eine fehlerhafte Einstufung kann zu Rückforderungen führen. Plane lieber eine Stunde für die Fallprüfung ein als später Korrekturen zu müssen.
5. Was das für deine Finanzplanung bedeutet
Die durchschnittliche Erhöhung von 12,7 % klingt gut — aber die Verteilung ist ungleich. Fälle in stationären Einrichtungen profitieren stärker, Fälle ohne Hochschulabschluss weniger. Wer seinen Klientenstamm kennt, kann die Auswirkung der Reform auf sein monatliches Einkommen jetzt schon konkret berechnen.
Das Betreuer Cockpit rechnet die VBVG-Vergütung für jeden Klienten einzeln aus — mit Wohnform, Betreuungsdauer und deiner Qualifikationsstufe. Kein Schätzen, keine Excel-Tabellen. Wer die neuen Sätze nicht nur einmalig, sondern laufend im Blick behalten will, lässt sich diese Rechnung am besten mit einer Buchhaltungssoftware für Berufsbetreuer abnehmen — Vergütung, Steuer und Rücklagen in einem System.
Fazit
Das VBVG 2026 vereinfacht, wo das alte Gesetz kompliziert war — und erhöht die Vergütung dabei im Schnitt deutlich. Die Umstellung erfordert eine einmalige Fallprüfung, danach läuft die Abrechnung klarer als zuvor. Nutze die Reform als Anlass, deinen Klientenstamm systematisch zu dokumentieren: Wohnform, Qualifikationsstufe, Betreuungsdauer. Das zahlt sich bei jeder zukünftigen Abrechnung aus.